Peritonitis

Definition & Ätiologie

Häufigste Ursache des akuten Abdomens im Kindesalter
  • lokale, umschriebene Peritonitis (Bauchfellentzündung), oft mit Abszedierung
  • generalisierte, diffuse Peritonitis
Primäre Peritonitis
  • Spontan-bakterielle Peritonitis (SBP)
  • im Kindesalter selten, Entstehung meist hämatogen oder aszendierend aus dem Urogenitaltrakt
  • typischerweise kein Infektionsherd bzw. keine Perforation in der Bauchhöhle
  • assoziiert mit nephrotischem Syndrom (klinisch Kombination aus Hypalbuminämie, Aszites und IgG-Mangel durch renale Verluste, mitunter plus Steroidtherapie), nach Splenektomie, bei Hepatopathien mit Aszites
 
Sekundäre Peritonitis
  • häufigste Form der Peritonitis
  • meist direkte Folge einer bakteriellen Kontamination der Bauchhöhle
  • durch Defekt in der Darmwand (z.B. Durchwanderung bei phlegmonöser/perforierter Appendizitis, nekrotisierender Enterokolitis) oder nach fortgeleiteter Infektion mit Abszedierung in parenchymatösen Organen
  • postoperativ, posttraumatisch
  • Sonderform
    • Peritonealdialyse-Peritonitis

Erregerspektrum

Häufig polymikrobielle Infektion einschließlich Anaerobier
 
Selten
Peritonealdialyse-Peritonitis

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Klinik

Symptomatik

  • meist diffuse Bauchschmerzen mit Abwehrspannung
  • Übelkeit
  • häufig Erbrechen und Durchfall
  • bei ausgedehnter Peritonitis oft klinisches Bild einer Sepsis (hohes Fieber >39 °C, reduzierter Allgemeinzustand, Tachykardie, paralytischer Ileus)
  • ggf. Aszites

Red Flags
  • deutlich reduzierter Allgemeinzustand
  • paralytischer Ileus
  • Schocksymptomatik (Tachykardie, KFZ >2 sec, Hypotension, Tachypnoe)
  • Vigilanzminderung

Risikofaktoren und Grunderkrankungen, die ggf. ein von diesem Standard abweichendes Vorgehen erfordern

  • Z.n. Splenektomie/Asplenie
  • Nephrotisches Syndrom
  • Hepatopathien
  • Früh-/Neugeborene
  • Immunsupprimierte Patienten (z.B. mit Granulozytopenie, unter hochdosierten Steroiden: klinische Symptome abgeschwächt)

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Komplikationen

  • Septischer Schock
  • Abszessbildung
  • Verwachsungen
  • Ileus
  • Disseminierte intravasale Gerinnung (DIC)

Diagnostik

Differentialdiagnosen

  • urologische Erkrankungen (z.B. Harntransportstörung, Urolithiasis, Hodentorsion)
  • gynäkologische Erkrankungen (z.B. Ovarialzyste, stielgedrehtes Ovar, andere Adnexpathologien, Endometriose, Extrauteringravidität)
  • gastrointestinale Erkrankungen (z.B. Cholezystolithiasis, Enteritis, Invagination, Meckel-Divertikel, Obstipation, CED, PIMS
  • metabolische Ursachen (Diabetisch/Pseudoperitonitis diabetica, Addison-Krise etc.)
  • weitere Ursachen (Hämolytische Krise etc.)

Labor

Bei jedem Verdacht auf eine Peritonitis soll eine Labordiagnostik erfolgen
  • Blutbild mit Differentialblutbild
  • CRP (ggf. nach lokaler Präferenz auch PCT)
  • Leber- und Nierenretentionswerte
  • CK
  • Elektrolyte, BGA, Laktat, Glukose
  • Gerinnung inkl. Fibrinogen und D-Dimere, ggf. auch Einzelfaktoren
 
Bei ausgeprägtem Aszites Punktion mit Zellzahl und Kultur
  • Bestimmung von Granulozyten im Punktat und Differenzierung: Leukozytenzahl >500/µl bzw. segmentkernige Granulozyten >250/µl spricht für SBP
  • ggf.  Amylase/Lipase, Bilirubin, LDH, Kreatinin
 
Urinstatus
bei Peritonealdialyse
  • Laschensekret (Kultur+Status)

Mikrobiologie/Virologie/Parasitologie

  • Blutkulturen  (aerob und anaerob)
  • Urinkultur, bei auffälligem Streifentest
  • ggf. Aszitespunktion, Anlage von aerober und anaerober Kultur
    • nativ sehr zeitnah ins Labor versenden (Luer Lock verschlossene Spritze) oder Blutkulturflaschen aerob und anaerob mit 10 ml beimpfen
  • im Rahmen eines operativen Eingriffs Gewinnung mikrobiologischen Untersuchungsmaterials, ggf. peritoneales Biopsat

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Therapie

Therapieempfehlung TELE-Kasper
TELE-Kasper Therapieempfehlung hier einfügen

Apparative Diagnostik

  • Sonografie des Abdomens (Aszites? Appendizitis? Lymphknotenschwellungen? Darmwandverdickung? Tumor?)
  • Röntgen-Abdomen (Spiegelbildung? Freie Luft?)
  • ggf. CT oder MRT

Diagnostik-Tipps
  • zum Nachweis einer tuberkulösen Peritonitis ist die kulturelle Untersuchung eines peritonealen Biopsats erforderlich, die Erregerzahl im Aszites ist zur kulturellen Anzüchtung meist zu gering.

    Therapie

    Ambulante Therapie

    Therapieempfehlung TELE-Kasper
    entfällt

    Stationäre Therapie

    Therapieempfehlung TELE-Kasper
    Die primäre Peritonitis wird normalerweise konservativ (mit i.v. Antibiotikatherapie) behandelt, bei der sekundären Peritonitis ist die chirurgische Intervention zur Fokussanierung entscheidend (plus angemessene Antibiotikatherapie)
    Bei V.a. Peritonitis sofortiges Hinzuziehen der Kinderchirurgie zur gemeinsamen Planung des weiteren Procedere, ggf. diagnostische Laparoskopie.
     
    Empirische Antibiotikatherapie
    Bei schwer kranken Kindern und Immunsupprimierten
    Therapiedauer
    • Primäre Peritonitis 10 Tage, je nach Klinik Verlängerung der Therapiedauer bis zu 3 Wochen
    • Sekundäre Peritonitis nach chirurgischer Sanierung 5 Tage (Frage: Fieber, CRP und Leukozyten? Sonographie, im Zweifelsfall bei V.a. Abszess CT oder MRT)
     
    Bei peritonealkatheterassoziierter Peritonitis
    • Therapiedauer siehe primäre Peritonitis
     
    Bei tuberkulöser Peritonitis
    • Therapie entsprechend der Empfehlungen zur Behandlung einer extrapulmonalen Tuberkulose

    ABS Tipps
    • bei der sekundären Peritonitis findet sich häufig eine polymikrobielle Infektion einschließlich Anaerobiern. Diese muss bei der empirischen Therapie berücksichtigt werden, Optimierung der Therapie im Verlauf nach Erhalt der mikrobiologischen Untersuchungsergebnisse
    • Beurteilung des Kostaufbaus an Tag 5: ein schlechter Kostaufbau kann als Risikofaktor für einen komplizierten Verlauf gewertet werden und zur Entscheidungsfindung bzgl. des weiteren therapeutischen Procederes beitragen
    • Bei komplizierter oder therapierefraktärer Peritonitis

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    Supportive Therapie

    Hygiene Maßnahmen / Prävention

    • gefährdete Kinder (z.B. mit funktioneller oder anatomischer Asplenie, nephrotisches Syndrom) sollten zur Vorbeugung einer SBP gegen Pneumokokken, Hib und Meningokokken geimpft werden und ggf. eine Pencillinprophylaxe erhalten

    Fortbildung & weitere Links